Am Wochenende vom 21.-23. November fand in der sehr schön an der Rheinpromenade gelegenen Jugendherberge in Mannheim das Seminar „Desensibilisierung mit Freude“ mit dem Stotter- und Poltertherapeuten Hartmut Zückner statt. Organisiert worden war es vom „Verband Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg e.V.“, einem Teil der BVSS. Desensibilisierung steht dabei für die Arbeit an unangenehmen und wenig hilfreichen emotionalen Reaktionen unsererseits auf unser Stottern, etwa in Form von Scham- und Minderwertigkeits- oder Schuldgefühlen, Angst und Fluchtimpulsen. Die andauernde Desensibilisierung ist ein zentrales Element dabei, für sich selber einen nachhaltigen, gesunden und entspannteren Umgang mit dem eigenen Stottern zu finden.
Hartmut begann das Seminar mit einer Vorstellung der Konzepte des „Pseudostotterns“ und des „Nettostotterns“. Diese bildeten die Grundlage für die eigentliche Arbeit an der Desensibilisierung. Pseudostottern ist bewusst ins eigene Sprechen eingebautes „nachgemachtes“ Stottern. Dies führt dazu, sich dadurch bewusst als stotternde Person zu „outen“, die eigene Toleranz für tatsächlich auftretendes Stottern zu erhöhen und ein lockeres Stottern einzuüben. Hartmut gab hierzu sehr detaillierte Anweisungen. Den Begriff des Nettostotterns benutzt Hartmut für ein lockereres Stottern „auf den Zielvokal“ hin, mit langsamen Wiederholungen und ohne die oft mit dem Stottern vebundenen Sekundärsymptome. Es ist eine Form des Stotterns, die grundsätzlich auch in Momenten von Angst und Stress zugänglich sein kann, in denen komplizierte und schwierige Techniken oft versagen.
Der Hauptteil des Seminars drehte sich um die unangenehmen Gefühle, die für uns mit dem Stottern in bestimmten Situationen verbunden sind. Dabei ging es darum, bestimmte Gedanken und Glaubenssätze zu identifizieren, die in diesen Situationen unsere emotionale Reaktion auf das Stottern bestimmen. Im Anschluss ging es darum, wie diese negativen Gedanken positiv gewendet werden könnten und welche Gedanken und Glaubenssätze uns dabei helfen würden, positivere Emotionen in Hinblick auf unseren Umgang mit dem Stottern zu entwickeln. Das Ziel war dabei nicht einfach, „positives Denken“ im Sinne von „ist nicht so schlimm“, sondern zu überlegen, wie eine hilfreiche, dabei aber gleichzeitig realistische emotionale Reaktion auf unser Stottern aussehen könnte.
Diese Aufgabe wurde in kleinen Gruppen gemacht. Es war wohl für die meisten von uns verblüffend, wie sehr die neutralere (und oft freundlichere) Perspektiven der anderen dabei helfen konnten, unsere eigenen Gedanken und Glaubenssätze zu identifizieren und hilfreichere Versionen davon zu formulieren. Die eigenen Gefühle und Gedanken fühlen sich ja oft so an, als müssten sie so sein. Der Austausch mit anderen hilft da sehr! Eine mehrfach gehörte Rückmeldung zu diesem Teil des Seminars war, dass er „ganz schön ans Eingemachte“ und in die Tiefe ging und sich daraus teilweise sehr offene, emotionale und persönliche Gespräche und Momente ergaben. Jede teilnehmende Person geht so mit einem persönlichen „Motto“ für die nächsten Monate nach Hause.
Am Samstag gingen wir nach draußen, immer zu zweit, und führten kleine Umfragen unter den (sehr oft ausgesprochen netten) Mannheimer Passant*innen durch. Am Sonntag gab es eine kleine Telefoniereinheit (Aufgepasst, Museen in ganz Deutschland!). Hartmut ging dabei auch genauer auf die Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmenden ein. Wir konnten durch die vorangegangene Arbeit gut vorbereitet an diese Aufgaben gehen.
Dazwischen blieb auch viel gemeinsame, lustige und entspannte Zeit zum Essen, zum Ratschen, Klönen, Schnacken und Quatschen, zum Spielen oder beim abendlichen Ausflug auf Getränke, Nachtisch und Pommes. Es war ein spannendes Wochenende, eine tolle Gruppe an Teilnehmenden, von denen alle Anregungen für ihren Alltag mitnehmen konnten.

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